Die Aufzeichnungen unseres Dorfchronisten Mario Bont dienen als Grundlage für die Informationsteile des Actionbound Spiels, welches über den QR-Code erreichbar ist. Das Actionbound-Spiel hat etwas mehr als ein Dutzend Themen und Stationen. Die Spieldauer beträgt circa 2 Stunden. Viel Spass.
Ulrich Steiner, ein Enkel von Hans Steiner, des Stammvaters aller Pfungener Steiner, verliess als junger Mann das Schloss Pfungen und erbaute 1581 mit den Mitteln, die ihm sein Vater vermacht hatte, am äussersten Rand der damaligen Siedlung das stattliche Haus südlich der Gerichtslinde (Lindenplatz). Die neue Wohnstätte mit Treppengiebel war das erste ganz aus Stein errichtete Gebäude des Dorfes. Die übrigen Dorfgenossen bewohnten Holz- bzw. Fachwerkbauten. In den Akten wurde das Gebäude als das „steinerne Haus“ geführt.
Die Anfänge unserer Feuerwehr als organisierter Verband mit Pflichtenheft geht auf das Jahr 1788 zurück. Damals erwarb die Gemeinde erstmals eine Feuerspritze einfachster Art, die das Löschwasser nicht selbst ansaugen konnte und mit Eimern befüllt werden musste. Erst 40 Jahre später errichtete die Gemeinde neben dem Pfarrhaus das Wasserreservoir für den Brandfall, den Feuerwehrweiher. Zur gleichen Zeit entstand an der Strasse gegenüber das Spritzenhäuschen. 1837 erfahren wir Näheres über die Organisation der Feuerwehr, damals Feuerlauf genannt. Sie bestand aus einem Hauptmann, einem Feuerboten (Meldeläufer), zwölf Feuerläufern und einer Spritzenmannschaft mit 25 Männern. Das Aufgebot im Brandfall geschah durch die Sturmglocke der Kirche. Besammlung war beim Spritzenhaus ausgerüstet mit Eimern und Tansen. 1874 entschied sich die Gemeinde, eine neue, leistungsfähigere Spritze zu kaufen. Diese konnte das Löschwasser selbst ansaugen. Der Feuerwehrordnung von 1905 entnehmen wir eine erneuerte Organisation. Wasser- und Stromversorgungsnetz musste nun auch in die Aktivität miteinbezogen werden. Die Organisation bestand nun aus zwei Hydrantenkorps, einem Leiternkorps, zwei Spritzenkorps und kleineren Spezialdetachementen. 1944 beschaffte die Gemeinde eine leistungsstarke Motorspritze und später das erste Feuerwehrauto. Mittlerweile hatte auch das Spritzenhäuschen ausgedient und es wurde am Ende der Dorfstrasse, nach dem Restaurant Löwen ein kleines Feuerwehrgebäude erbaut. Mit der zunehmenden Motorisierung und Spezialisierung der Feuerwehr musste dies ebenfalls bald aufgegeben werden. Als neuen Standort für alle Fahrzeuge und Gerätschaften wählte die Gemeinde ein bereits bestehendes Gebäude des Eskimo Gewerbezentrums an der Dättlikonerstrasse, das durch bauliche Anpassungen die Bedürfnisse der Feuerwehr abdecken konnte. Anzumerken ist auch, dass sich zwischenzeitlich die Feuerwehr von Dättlikon und Pfungen zu einem Zweckverband zusammengeschlossen hatten. Seit 2007 ist das Zuhause der Feuerwehr im modernen und grosszügigen Mehrzweckgebäude für Feuerwehr und Gemeindewerk bei der katholischen Kirche Pfungen. Die Zusammenarbeit den Gemeinden Pfungen und Dättlikon ist seit 2022 in einem Anschlussvertrag geregelt. Der Zweckverband wurde aufgelöst.
Die stattlichsten Häuser in der Zürcher Landschaft sind in der Regel die Pfarrhäuser. Kleinere Gemeinden konnten sich solche Wohnsitze ihrer Pfarrherren nicht leisten. Es war die jeweilige Obrigkeit, die diese Aufgabe übernahm. So auch in Pfungen. Winterthur kaufte 1629 von den Familien Steiner die Herrschaft Pfungen mit allen Rechten und Pflichten und wurde so zur Obrigkeit von Pfungen. Sie besass unter anderem das Recht den Pfarrer zu bestimmen und die Pflicht, ihn zu besolden, als auch die Kirche und das Pfarrhaus zu unterhalten oder im Bedarfsfall neu zu bauen. 1689 wird das Pfarrhaus an Stelle eines baufälligen älteren Pfarrhauses neu gebaut. Nach den politischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts geht das Pfarrhaus in den Besitz des Kantons Zürich über. 1989 entledigt sich der Kanton der Pfarrhäuser und das Pfarrhaus geht in den Besitz der reformierten Kirchgemeinde Pfungen über.
Der ehemalige Gemeindesaal war vormals die Pfarrscheune und Rossstall und gehörte wie das Pfarrhaus der Stadt Winterthur. 1857 ging die Pfarrscheune zusammen mit dem Pfarrhaus an den Kanton Zürich über. 1861 erwarb Georg Steiner das Gebäude und nutzte es für die Pferde seines Transportunternehmens. 1862 wurde gegen die Wieshofstrasse hin ein Wohnhaus angebaut, das Steiner bewohnte. 1902 erwarb Pfarrer Zimmermann und Konsorten das Gebäude. 1908 Umbau in eine Kleinkinderschule und Vereinslokal. 1921 Erwerb durch die Primarschulgemeinde und 1927 durch die politische Gemeinde. Seit 2016 ist das Gebäude in Privatbesitz. Die Besitzer lassen unter dem Namen «Ortschafft Kultur» diese in Pfungen aufleben.
Reformierte Kirche
Die Pfungener Kirche ist erstmals im Jahr 1275 dokumentiert im Steuerverzeichnis des Bistums Konstanz. Aufgrund von archäologischen Befunden bei der Kirchenrenovation 1964 muss man davon ausgehen, dass an gleicher Stelle schon früher Gotteshäuser standen. Fundamentreste einer karolingischen Kapelle, Fundamentreste einer romanischen Kapelle oder Kirche, Reststücke einer gotischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit Sakristeianbau. 1649 bauen die Pfungener mit Beistand der Städte Winterthur und Zürich die jetzige Kirche. Vom ältesten Geläute weiss man nur, dass es aus 3 Glocken bestand. Zeitangaben liegen keine vor. 1860 und 1947 wurden neue Geläute eingebaut mit den Stimmungen f-g-a-c. Für den Kirchengesang amtete bis 1891 ein Vorsänger. Danach wurde ein Harmonium angeschafft, 1941 eine 1. Orgel im Chor der Kirche. Deswegen mauerte man das Ostfenster zu. 1964 wurde die zweite Orgel angeschafft und auf der Empore platziert. Sie versieht bis heute ihren Dienst. Das Chorfenster wurde 1964 wieder freigelegt. Ebenfalls 1964 wurden die Kirchenfenster neugestaltet.
Bis 1924 befand sich der Friedhof um die Kirche herum.
Katholische Kirche
Im Jahr 1850 zählte man in Pfungen 6 Ausländer und ebenso viele Katholiken. Es waren Menschen aus Süddeutschland und Italien, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach Arbeit in Pfungen eintrafen. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Katholiken stark an, denn die Textilfabrik und die Ziegelei benötigten eine Fülle von Arbeitskräften. Anfänglich betreute die Pfarrei Bülach die Katholiken unserer Gemeinde. Diese wünschten jedoch eine eigene Pfarrei ins Leben zu rufen. Sie gründeten im Jahre 1896 einen Männerverein und dieser besprach sogleich die Schaffung einer Pfarrei und den Bau einer Kirche. Bis zur Fertigstellung der Kirche mit angebautem Pfarrhaus fanden die katholischen Gottesdienste in einem Fabriksaal der Textilfabrik statt. 1899 war es soweit. An Pfingsten läutete die Glocke zum ersten Gottesdienst in der neuen Kirche, und am 25. August 1907 weihte der Churer Bischof das Gotteshaus ein. Anfänglich hiess die Pfarrei St. Josef, doch in den 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gab sie sich den Namen St. Pirminus.
Die Anfänge
Im Jahr 1964 wurde die reformierte Kirche Pfungen renoviert und bei dieser Gelegenheit der Untergrund des Kirchengebäudes erforscht. Die Archäologen fanden hier Mauerstücke, welche die Existenz eines Wohnturms aus der Zeit vor der Jahrtausendwende hinwiesen. Das legt nahe, dass der Wohnturm oder Bergfried der Burganlage, die man später Schloss nannte, westlich der Kirche jüngeren Datums war. Er muss als Wehr- und Wohnanlage der alemannischen Zuwanderer als Ersatz für den ersten entstanden sein, der dem Bau einer romanischen Kapelle oder Kirche weichen musste.
Im Jahr 1322 wird die Burg erstmals urkundlich bezeugt, als sie als Eigentum von Jakob von Wart, Minnesänger und Bruder des Königsmörders Rudolf von Wart, verkauft wird. Dies war übrigens auch das Jahr, in dem Pfungen als Siedlung erstmals urkundlich in Erscheinung tritt.
Daraufhin wechselt die Burg mehrmals ihre Besitzer. 1454 ging sie an Hans Wellenberg, einem Vertreter einer Junkerfamilie aus Konstanz und verblieb bei dieser Familie bis Thomas Wellenberg sie am 21. November 1524 an Hans Steiner, vormals Müller an der Lorze zu Cham, verkaufte. An die Junker Wellenberg erinnert uns noch heute die Wellenbergstrasse in unserer Gemeinde.
Die Zeit der Steiner
Als Hans Steiner Herrschaft und Burg erwarb, befand sich am westlichen Ausläufer und Sporn des Multberges nicht nur ein Wehr- und Wohnturm, sondern eine ganze Burganlage. Ein massiver Wohnturm stand inmitten eines unregelmässig gestalteten Hofraumes von 31 Meter Länge und 21 Meter Breite. Dieser war umgeben von einer 90 cm dicken Umfassungsmauer. Eine gezinnte Querwand in der Verlängerung der östlichen Turmseite schied den Hofraum in zwei Teile. Die Burganlage war durch einen Graben vom Dorf getrennt. Über eine Brücke gelangte man zum Tor und dann weiter in den sechs Meter breiten Zwinger. Der Wohnturm wies eine Höhe von 10,4 Meter auf, besass einen quadratischen Grundriss und eine Mauerdicke von 3,2 Meter. Auf dem Turm erhob sich ein Aufbau aus Holz – später aus Riegelwerk – als Wohnung des Burgherrn. Diese enthielt vier Räume. Die ursprüngliche Eingangstür befand sich auf sicheren acht Metern Höhe in der Nordost-Ecke des Turmes. Zur Zeit der Wellenberg oder auch erst in der Zeit der Steiner wurde die Burganlage vergrössert. Der östliche Hofraum wurde mit Wohngeschossen überbaut und auf der Westseite entstand ein ausgedehnter Wohntrakt, die „untere Burg“. Der 6,6 Meter hohe Wohnbau aus Mauerwerk besass dieselben Ausmasse wie der Turm. Er war unterkellert und enthielt im Erdgeschoss Vorratsräume. Darüber lag ein Geschoss mit einem grossen Flur und zwei Kammern. Dieser Burgteil war überdeckt von einem hölzernen Aufbau, der nahezu 2 m über das Mauerwerk auskragte. Das untere Geschoss des Aufbaus enthielt eine geräumige Küche mit einer grossen Feuerstelle, eine Stube und zwei Kammern. Darüber folgte ein Dachgeschoss, von welchem aus eine Treppe zum Wohngeschoss der „oberen Burg“ führte.
Heinrich Zeller-Werdmüller (1844-1903) widmete sich neben seiner beruflichen Tätigkeit als Geschäftsführer der Papierfabrik an der Sihl in Zürich der antiquarischen und historischen Forschung. Er war Vorstandsmitglied der Antiquarischen Gesellschaft Zürich und Vertreter des Kantons Zürich in der Landesmuseumskommission. Vor dem Abbruch unseres Schlosses hat er eine genaue Bestandesaufnahme der ganzen Anlage gemacht und mit Zeichnungen die äussere Erscheinung festgehalten. Dank seiner Arbeit verfügen wir über das Wissen über den Bau der Burganlage.
Die Stadt Winterthur erwirbt die Herrschaft Pfungen
Nach dem Tod von Hans Steiner im Jahre 1544 erbten die beiden älteren Brüder Hans und Wolfgang die Herrschaft Pfungen. Die beiden jüngeren Brüder Andreas und Hans Jakob erbten die Herrschaft Wülflingen-Buch, welche Vater Hans 1528 ebenfalls erworben hatte. Hans und Wolfgang verwalteten brüderlich und einvernehmlich das Erbe ihres Vaters. Beide wohnten in der Burganlage, mittlerweile Schloss genannt. Der eine im alten Bergfried mit Holzaufbau, dem „oberen Schloss“, der andere im „unteren Schloss“. Die späteren Nachkommen dieser Brüder entschlossen sich 1629 die Herrschaft zu veräussern, da sich immer mehr Brüder und Vettern in das Erbe von Stammvater Hans teilen mussten. Beim Verkauf waren 12 Steiner am Handel berechtigt! In der Stadt fanden sie eine Käuferin, welche 1798 die Herrschaftsrechte abtreten musste und noch im Besitz von Schloss und dazu gehörigem Grundeigentum blieb.
Im Kaufvertrag sind nicht nur Gebäude, Grundstücke, Zehnten, Grundzinsen, Rechte und Pflichten erwähnt und beschrieben, sondern auch Mobiliar und Inventar des Schlosses. Das Inventar enthielt:
„An silbernem Geschirr zwölf Löffel, an zinnenem Geschirr Suppenplatten, Platten, Teller, Salzbüchsli und zwei mässige Kannen, zwei- und dreimässige, an küpfernem Geschirr ein Kunsthafen, so in die Herdplatten gemauert, Weinhahnen und Bratpfannen, an weissem Plunder ein langes Tischlacken und zwölf gute Zwehelinen (Handtücher), an Eisenwerch ein Tüchelnepper (Teuchelbohrer), eine Fasswinde, Messer und Gabeln, und endlich an Allerley Bockgestelle zu der Bruggen, Feuerkübel, Tische, darunter ein langer, harthölzener Richtertisch, Siedelen (Stabellen), viele Fässer, Kellerleitern, Bücki, Weinträchter und anderes mehr.“
Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Stadt Winterthur wohnte nun nicht mehr der Eigentümer im Schloss, sodass der Kleine Rat (Regierung) der Stadt einen Schlosswart bestellen musste. Dieser hatte in den ausgedehnten Gebäulichkeiten zum Rechten zu sehen, das Zehntenkorn und den Zehntenwein in Schütti und Keller zu verwalten und den Winterthurern den Bürgertrunk zu kredenzen. Anno 1682 ging das Amt des Schlosswartes an Abraham Maurer und blieb in dieser Familie bis 1829. Die Tochter des letzten aus der Familie, Margaretha Maurer, heiratete den Viehhändler Johannes Benz aus dem Neuhaus (Rest. Sternen). Nach der Heirat übersiedelte Benz ins Schloss und übernahm auch das Amt des Schlosswartes. Für die Stadt Winterthur war das Schloss in seinem schlechten Zustand kein einträglicher Besitz mehr und sie wollten es los werden. 1837 wurde das Schloss nebst Gütern an einer öffentlichen Gant versteigert, nachdem zwei Ganten in Pfungen erfolglos verlaufen waren. Schlosswart Johannes Benz bot am meisten und stieg damit vom Schlosswart zum Schlossherrn auf. Da das Paar Benz-Maurer kinderlos blieb, wurde Kaspar Fischer 1860 durch Kauf letzter Schlossherr.
Das Ende
Das Jahr 1875 bedeutete das Ende des Schlosses. Damals wurde die Eisenbahnlinie Winterthur-Bülach-Waldshut erstellt und das Pfungener Schloss an der westlichsten Spitze des alten Dorfes war der besten Linienführung im Wege. Als der letzte Schlossherr, Kaspar Fischer, bereit war, das Schloss der Nordostbahngesellschaft auf Abbruch zu verkaufen, war von keiner Seite Einspruch zu vernehmen. Der Gemeinderat meinte, „man könne mit dem alten Steinhaufen nichts mehr anfangen.“ Und weiter war der Gemeinderat überzeugt, „dass das Schloss selbst im Besitze intelligenter Leute niemals eine im Wert steigende Liegenschaft ergeben würde.“ Nach dem Verkauf 1874 wurde im folgenden Jahr das Schloss mit samt einem Teil des Burghügels abgetragen, um dem Bahntrassee Platz zu machen. Den Abtrag am Burghügel gegen Norden kann man bestens erkennen. Das lange, steile Bord von der Liegenschaft „Schlossberg“ zum Bahntrassee erkennt man sofort als nicht natürlich gewachsen. Auf dem verbliebenen Teil des Burghügels, auf dem Schlosskeller, wurde schon bald ein neues Haus mit Wirtschaft errichtet, der „Schlossberg“. Nach wenigen Jahren gab der Besitzer Georg Benz die Gaststätte wieder auf und übernahm den nahe gelegenen „Schlosshof“, einst Trotte des Schlosses.
Der Nachruf
Salomon Spänni (1825 – 1903), schrieb auf das Schloss einen Nachruf in Gestalt eines Gedichtes.
Horch, horch. Es tönt die Sage
von mir, ich altes Schloss;
Es schwinden meine Tage
Verfolgt vom Dampfesross.
Jahrtausend hab ich gestanden
auf diesem sonnigen Hügel,
gelöst sind mir meine Bande,
zerschnitten mir meine Flügel.
Selbst Multberg und Wart ward zertrümmert,
durch Agnes* frevelnde Hand,
doch ich stand hier unbekümmert,
fest wie die Berge im Land.
Im Anfang ward ich gewidmet
zu fürchterlich grausiger Tat,
doch später durch mich verrichtet
manch schöne christliche Tat.
Manch Wanderer hab ich erquicket
durch Bacchus labenden Trank,
das wird Dir noch heute berichtet
durch Winterthurs schriftlichen Schrank.
Verkünd es du Tempel der Jugend,
verkündets, ihr Enkel der Zeit,
dass ich geboten der Jugend
ein Werk, das für Euch gedeiht.
Verkündets, ihr Glocken vom Turme.
Verkünd es, du edle Kapell.
Verkündet’s zu meinem Ruhme
Dass ich Euch besser gestellt.
Leb wohl, Du, Acker des Friedens,
der treu zur Seite mir stand,
befördere Du ferner hienieden
die Deinen ins himmlische Land.
Lebt wohl, ihr Nachbarsgebäude.
Leb wohl, du friedliches Dorf.
Lebt wohl, ihr Bewohner, ich scheide
Von Euch, dem vergänglichen Ort.
So fahre denn hin nun im Frieden,
Du, lange bestandene Burg.
Dir sei ein Andenken beschieden,
rein, ohne Falschheit und Trug.
*Agnes war die Witwe von König Albrecht (Habsburger), an dessen Ermordung 1308 bei Windisch Rudolf von Wart beteiligt war. Ihre Rache liess Rudolf auf dem Rad hinrichten und die Burgen derer von Wart auf dem Warthügel und Multberg zerstören.
Die Gletscher der Eiszeiten und die Wässer der Zwischeneiszeiten haben unsere Landschaft modelliert. Das Tal der Töss, ihre Nebentäler, die Moränen und die Schotterterrassen zeugen davon. Unsere Bodenschätze Kies, Sand und Lehm sind Hinterlassenschaften des periodischen Klimawandels der Vergangenheit. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann in Pfungen die Ausbeutung dieser Schätze, so dass in der Mitte des folgenden Jahrhunderts auf unserem Gemeindegebiet eine regelrechte Grubenlandschaft anzutreffen war. Baumeister Angelo Bona erwarb nach 1900 auf beiden Seiten des Bahndammes „Kiesland“ und begann auszubeuten. Es ist Teil der linken Talschulter der Töss und von grosser Mächtigkeit. Dort, wo der Mülibach den Tunnel verlässt, auf dessen rechter Seite errichtete Bona ein Kieswerk zur Aufbereitung der Abbaufraktionen. Auf der linken Seite baute er die „Risorta“, ein Haus mit 4 Wohnungen. Im begehbaren Tunnel erstellte Bona ein Geleise für eine Rollbahn, die von 1920 bis 1960 das Abbaumaterial der Kiesgrube auf der Südseite des Bahndammes in Rollwagen zum Kieswerk transportierte. Als diese Grube erschöpft war, begann der Abbau auf der Nordseite der Eisenbahn und erstreckte sich allmählich nach Westen bis nahe ans „Wysstöbeli“ mit Rietlibach. Nach Bona erwarben andere Unternehmer die Gruben und Kieswerk. Die Kiesausbeutung ging so weit, dass im Talboden zwischen „Risorta“ und Weiacherstrasse mit einem Schwimmbagger im Grundwassersee ausgebeutet wurde. Das vom Kieswerk benötigte Waschwasser wurde dem Mülibach entnommen, wozu er nach dem Tunnelaustritt etwas umgeleitet wurde. Nach der Renaturierung des Geländes und dem Ausbau des Hochwasserschutzes ab 2006 erhielt der Bach wieder sein ursprüngliches Bett.
Bereits 1322 wird im Verzeichnis des Besitzes der Freiherren von Wart eine Mühle in Pfungen genannt. Wir wissen nicht, wann die Pfungener Mühle erstellt wurde, über deren Standort besteht indes kein Zweifel. Die Wasserkraft des Mülibaches konnte von allem Anfang am besten an jener Stelle genutzt werden, wo der Bach mehrere Meter in die Tiefe stürzt. Die untere Mühle, also jene nach dem Wasserfall erhielt in späterer Zeit eine Schwester, die obere Mühle, in der eine Reibe installiert war. Beim Molasseabsturz, beim Maiensteg, wurde das Bachwasser mit einem Kännel gefasst und in diesem Holzkanal zur oberen Mühle geleitet, wo das Wasser ein oberschlächtiges Rad antrieb. Die untere Mühle, die auch eine Wirtschaft betreiben durfte, ging 1897 in den Besitz der politischen Gemeinde über. 1910 wurde das Wasserrad abgetragen und die Mühle zum reinen Wohnhaus umgebaut. Die obere Mühle ging ebenfalls 1897 in den Besitz der Gemeinde über. 1902 entfernte man den Wellbaum zur Reibe. Das Wasserrad trieb nun eine Pumpe an, welche das Wasser der Maienstegquelle über eine Leitung ins Netz der Wasserversorgung der Gemeinde presste. 1931 wurde auch das Wasserrad entfernt. 1923 ward in die Mühle eine Wohnung eingebaut und 1908 das Schlachthaus der Gemeinde über den Bach angebaut worden. Obere und untere Mühle gingen 1987 bzw. 1945 in Privatbesitz über.
Die erste Wasserversorgung der Gemeinde Pfungen datiert aus dem Jahr 1888. Sie wurde am 15. Juli 1888 feierlich eingeweiht und umfasste ein Leitungsnetz von 1600 Metern, einem Reservoir in der Grabi mit 200 m3 Fassungsvermögen und 22 Hydranten. Vor dieser Zeit versorgte man sich mit dem Wasser der zahlreichen Dorfbrunnen. Um den nun gestiegenen Wasserbedarf zu stillen, mussten im wasserreichen Gebiet von Grabi und Weitobel neue Quellen gefasst werden. Wenige Jahrzehnte später kam die Nutzung der Maienstegquelle mit ihren ca. 500 Minutenlitern hinzu. Um im ständig wachsenden Dorf eine hinreichende Löschwasserreserve zu sichern, wurde 1935 oberhalb des bestehenden Reservoirs ein zweites gebaut. Sein Überlauf speiste das ältere, tieferliegende. In der stetig wachsenden Gemeinde reichte in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg die Wasserzufuhr aus Grabi, Weitobel und Maienstegquelle nur noch bei normalem Witterungsverlauf. Das Thema Trinkwasserversorgung musste in unserer Gemeinde erneut aufgegriffen werden. Unsere Gemeinde beteiligte sich in der Folge zusammen mit den Gemeinden Winterthur, Neftenbach und Dättlikon an der Schaffung einer gemeinsamen Fassungsanlage im Wülflinger Hard. An dieser Stelle wird bis heute dem Eulach-Grundwasserstrom Wasser entnommen. Das gefasste Wasser wird durch Pumpen auf den Rücken des Multbergs gepumpt und dem 1954 in Betrieb genommenen Reservoir zugeführt. Dieses liegt auf 519 m über Normalnull, das Grabireservoir auf 468 m. Die Höhendifferenz erzeugt eine Wasserdruckdifferenz von gut 5 bar. Somit musste für das neue Reservoir ein zweiter Netzteil geschaffen werden. Die Gemeinde besitzt damit ein Hochdrucknetz und ein Niederdrucknetz. Über das Hochdrucknetz kann über eine Verbindung Wasser ins Niederdrucknetz eingespeist werden. Über das Hochdrucknetz wird auch die Gemeinde Dättlikon seit 1954 mit Wasser versorgt. Wegen der starken Bautätigkeit musste 1998 in der Grabi ein grosses Reservoir (1300 m3) und 2004 noch ein kleines an der Maienstegquelle neu erstellt werden. Letzteres kam hinzu, um die Quelle besser nutzen zu können.
Das stattliche graue Riegelhaus wurde im Jahre 1805 von den beiden Brüdern Jacob und Ulrich Flach erbaut. Den Viehstall teilten die beiden Brüder. Als Nebenerwerb wurde in den hellen Stuben gewoben. Der Name «Weberli Flach» erinnert an die zusätzliche Nutzung der hell besonnten Stuben. Die Nebenstube im linken Hausteil beherbergte einst einen kleinen Laden für den Alltag. 1908 wurden die Scheune und der Stall neu gebaut.
Seit 1928 ist das Haus in dritter Generation im Besitz der Familie Krebser. Der Bauernbetrieb wurde aus wirtschaftlichen Gründen anfangs der siebziger Jahre aufgegeben. Die Riegelkonstruktion wurde im Rahmen einer Renovation 1987 freigelegt.
Mit der demokratischen Verfassung von 1831 wurde im Kanton Zürich auch die Volksschule und ihr obligatorischer Besuch eingeführt. Die Pflicht, die Volksschule einzurichten lag bei den Gemeinden. Damit mussten sie Schulhäuser bauen und am kantonalen Seminar ausgebildete Lehrer anstellen. Für diese Aufgaben wurden Schulgemeinden und Schulpflegen geschaffen. Vor dieser Zeit unterrichtete der Sigrist die Kinder in seiner Stube. Eine Ausbildung besass er keine und daneben war er noch Kleinbauer. Die Aufsicht über das „Unterrichtswesen“ lag beim Pfarrer. Damit war nun Schluss. Die Wohn- und Schulstube des Sigristen hatte ausgedient und die Gemeinde hatte jetzt ein Schulhaus zu erstellen. 1832 war das Bauernhaus von Hans und Heinrich Benz niedergebrannt. An dieser Stelle errichteten die Pfungener zwei Jahre später ihr erstes Schulhaus, einstöckig mit einem Klassenzimmer und Lehrerwohnung im ersten Stock und eine Wohnung im Erdgeschoss. Da dieses Raumangebot für den Unterricht bald nicht mehr genügte, wurde dem ersten Geschoss ein zweites aufgesetzt und im Erdgeschoss wohnte der zweite Lehrer. Eine Sekundarschule gab es nicht. Wer eine solche besuchen wollte, musste anfangs nach Neftenbach und zeitweise nach Wülflingen. Täglicher Unterricht fand von der ersten bis sechsten Klasse statt, danach als siebtes und achtes Schuljahr die Repetierschule, die wöchentlich zweimal je einen halben Tag zu besuchen war. In der übrigen Zeit hatten die Mädchen und Knaben einer Arbeit nachzugehen. Das erste Pfungener Schulhaus trägt die Adresse Dorfstrasse 40 und ist zum Wohnhaus mit mehreren Wohnungen umgestaltet worden. Vor der letzten Jahrhundertwende reichte auch das aufgestockte Schulhaus nicht mehr, da Pfungen seit 1892 auch eine Sekundarschule führte. Die Gemeinde erstellte deshalb 1893 am Fusse des Zehnderrains ihr zweites Schulhaus. Es folgte 1951 das Schulhaus Breiteacker und 1970 das Schulhaus Seebel. 2015 konnte der vergrösserte Ersatzbau des Schulhauses Breiteacker eingeweiht werden und in den Jahren 2023 und 2025 folgten modulare Ergänzungen zu den Schulhäusern Breiteacker und Seebel.
Pfungen war bis zum Einzug der Textilfabrik 1854 ein Bauerndorf. Ein ärmliches Bauerndorf. Topografie und Bodenbeschaffenheit waren für eine ertragreiche Landwirtschaft schlecht geeignet. Die Arbeitsplätze, welche Textilfabrik und Ziegelei anboten, verbesserten die wirtschaftliche Situation der Gemeinde. Die Kleinbauern mit einer Kuh, vielleicht auch deren zwei, ein paar Ziegen und einem Schwein gingen nun in die Fabrik und die Frau mit den Kindern besorgte die Landwirtschaft. Für Männerarbeiten musste der Feierabend herhalten und zum Heuen blieb man der Arbeit kurze Zeit fern. 1946 zählte man in Pfungen 31 Grossviehhalter. Das erscheint als enorm viel, aber wenn man eine Kuh besitzt, ist man Grossviehhalter. Nicht mitgezählt sind bei diesen 31 die Geissepuure. Seither haben viele Umstände dazu geführt, dass die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe mit Grossvieh auf deren zwei gesunken ist.
1823 zählte man in Pfungen drei Weinschenken: das „Schloss“, die „Mühle“ und das „Neuhaus“ (Sternen). Um eine Wirtschaft führen zu dürfen, bedurfte es der Bewilligung der Landesregierung – also Zürich. Die Bewilligung hiess Tavernenrecht. 1832 ging dieses Recht auf die Gemeinden über und immer mehr Wirtshäuser nahmen in der Gemeinde ihren Betrieb auf:
- 1840 eröffnet die Speisewirtschaft „zur neuen Brücke“ im Brunihaus bei der Töss.
- 1846 eröffnet Jakob Elliker den „Löwen“.
- 1851 eröffnet der „Frieden“.
- 1862 eröffnet der „Schlosshof“.
- 1877 eröffnet die Wirtschaft zur „Station“
- 1881 eröffnet die „Linde“.
- 1885 eröffnet der „Schlossberg“.
- 1890 eröffnet die „Rose“.
Überlebt haben „Linde“, „Löwen“ und „Sternen“ („Neuhaus“). Hinzugekommen sind in neuerer Zeit das „Café Rössler“ mit Bäckerei und Konditorei und als weitere Gastronomiebetriebe «Delirolls» und «Pickanto».
